Die Hofjes in Haarlem: eine Route entlang den Wohnhöfen

Luthershofje Haarlem

Von einer belebten Straße trittst du durch ein unauffälliges Tor in eine grüne Oase der Ruhe. In den Wohnhöfen in Haarlem scheint die Welt für ein Moment stillzustehen. Die historischen Hofjes in Haarlem wurden vom 13. bis zum 19. Jahrhundert für bedürftige Einwohner der Stadt gebaut. Jeder Wohnhof in Haarlem hat sein eigenes besonderes Aussehen und erzählt eine andere Geschichte. Die Hofjes sind immer noch bewohnt, aber zum Glück kannst du sie teilweise besichtigen, zum Beispiel mit der Hofjes-Route.

Die Geschichte der Hofjes in Haarlem

Ursprünglich gab es drei Arten von Hofjes: kirchlich, Stiftungshöfe und Gildenhöfe. Kirchliche Wohnhöfe – für die Beginen der Kirche – entstanden im 12. Jahrhundert. Später gründeten die Kirchenräte auch Hofjes, um den Armen bei der Wohnungssuche zu helfen. Reichere Familien gründeten im 17. und 18. Jahrhundert Hofjes, um ihren Familiennamen im Namen eines Hofjes zu verewigen. Diese Hofjes, stichtingshofjes genannt, wurden oft von einer zu diesem Zweck gegründeten Stiftung verwaltet. Zum Schluss gründete auch die Gilde Wohnhöfe für Menschen, die innerhalb der Gilde gearbeitet hatten. Die Armen wurden in kleinen Häusern an einem Hof untergebracht. Der Eingang war meistens ein Tor an der Straßenseite, das nachts verschlossen wurde. Die Bewohner der Hofjes mussten also rechtzeitig wieder da sein.

Auf diese Weise wurden in Haarlem 40 Wohnhöfe errichtet, von denen jetzt noch 22 übrig sind. Sie sind oft versteckt, aber erkennen kann man sie zum Beispiel durch die oft schön dekorierten Eingangstore. Das Frans Loenenhofje kannst du beispielsweise wegen dem mit goldfarbenen Details verzierten Tor kaum übersehen.

Die Hofjes-Route in Haarlem: spazieren entlang den Wohnhöfen

Die beste Art, die Hofjes van Haarlem zu besuchen, ist ein kurzer Spaziergang durch die Stadt. Diese Route führt an fast allen Hofjes vorbei, von denen viele unter der Woche besucht werden können.

Der Spaziergang entlang den Haarlemer Hofjes zusammengefasst

  • Länge: 5,8 Kilometer
  • Gehzeit: ungefähr 1,5 Stunden (ohne Fotopausen :))
  • Start- und Endpunkt: Bahnhof Haarlem Centraal
  • Einkehrmöglichkeiten: in der Innenstadt von Haarlem
  • Schau dir hier die Hofjes-Route auf einer Karte an

Der Spaziergang beginnt am Bahnhof Haarlem. Du gehst in die Jansstraat und dort findest du gleich den ersten Wohnhof: das Hofje van Staats (1730). Der Hofje van Staats wurde aus dem Nachlass des Haarlemer Garnhändlers und Kaufmanns Ysbrand Staats gegründet. In seinem Testament legte er fest, dass sein gesamtes Erbe für die Armen bestimmt war. Besonders sind der großzügige Hofgarten, das Haus des Hausmeisters, die Leichenhalle und die Waschküche. Heutzutage dient die Leichenhalle als Fahrradschuppen.

Zwei Hofjes in der Nähe vom Spaarne

Geh dann in Richtung Spaarne, dem Kanal, der durch Haarlem fließt. Hier befindet sich das Hofje van Noblet und das Teylers Hofje. Das Hofje van Noblet ist einer der seltenen Wohnhöfe mit einem Garten zur Straßenseite. Es hat auch einen Garten im Innenhof. Das Teylers Hofje wurde vom Architekten Leendert Viervant entworfen, der auch den beeindruckenden Ovale Zaal im Teylers Museum entworfen hat. Der stattliche Eingang zum Teylers Hofje hat eine neoklassizistische Fassade mit dorischen Säulen und einem Zaun aus Schmiedeeisen.

Übrigens lohnt es sich auch ein Stück entlang dem Spaarne zu spazieren und den Blick auf die Mühle Molen de Adriaan zu genießen.

Das älteste und neueste Hofje von Haarlem

Danach geht es Richtung Stadtzentrum zum Hofje van Bakenes, das älteste noch erhaltene Hofje der Niederlande aus dem Jahr 1395. Durchquer den Garten, um zum neuesten Hofje von Haarlem zu gelangen, dem Johannes Enschedéhof aus dem Jahr 2007. Dass die beide nebeneinader liegen, ist kein Zufall. Das Hofje van Bakenes hat Häuser auf drei Seiten. Als die Regenten in den 80er Jahren auch Häuser auf der vierten Seite bauen wollten, musste der Rest zuerst renoviert werden und die Konstruktionszeichnungen sind in der Schublade verschwunden. Erst als der Bereich neben dem Hof ​​in den späten 90er Jahren frei kam, konnte mit der Realisierung des neuen Wohnhofes begonnen werden.

Übrigens lohnt sich hier auch einen Blick auf den Bakenessergracht, ein Kanal mit an beiden Seiten sehr schöne Häuser und am Ende Blick auf das Spaarne.

Durch die schönen Gassen von Haarlem

Weiter geht’s über den Grote Markt mit dem Grote of St. Bavokerk. In einer schöner Straße hinter der Kriche, der Warmoesstraat, befindet sich das nächste Hofje: Hofje in den Groenen Tuyn. Dieser Wohnhof ist nur zwischen 10:00 und 12:00 Uhr für Besucher geöfnnet und du musst klingeln, um eintreten zu können. Der schön gestaltete Garten lohnt sich aber auf jeden Fall!

Die Hofjes-Route macht einen kleinen Schlenker Richtung Spaarne. Hier befindet sich der Gravinnehof. Dieser Wohnhof wurde 2001 anlässlich der 750-jährigen Jubiläumsfeier der Stadt Haarlem errichtet. Es hat 26 Häuser und einen modernen Hofgarten. Besucher können leider nur einen Blick durch das Gitter werfen.

Die Route führt weiter durch die Kleine Houtstraat, die mehrfach zur besten Einkaufsstraße der Niederlande gewählt wurde. Du spazierst danach zum Frans-Hals-Museum (lohnenswert, wenn du Zeit hast!). In den Straßen hinter dem Museum gibt es mehrere Hofjes. Das Verwershofje ist eines der kleinsten Wohnhöfe, aber leider nicht zugänglich für Besucher, genau wie das Blokshofje. Das Vrouwe en Antoniegasthuis war früher ein Gasthaus wo Reisende für eine oder mehrere Nächte übernachten konnten. Da viele dieser Reisenden Pilger waren, war die Gründung des Gasthauses eine gute Tat, genau wie die Gründung eines Hofjes.

Kaffee trinken in einem Hofje: das Proveniershof

In der Nähe der belebtesten Einkaufsstraße Grote Houtstraat befindet sich der Proveniershof. Ursprünglich stand an der Stelle dieses Hofes das 1414 gegründete Kloster Sint Michiel. Das Hauptgebäude beherbergt heute einen Laden und das Café „Hofje zonder zorgen“. Es lohnt sich hier eine kleine Pause einzulegen, einen Kaffee zu trinken und danach der Innenhof mit Garten zu besichtigen.

Versteckte und auffällige Hofjes in Haarlem

Durch die Lange Annastraat, wo sich das Hofje van Guurtje de Waal befindet, setzt du die Route fort. Dies ist der kleinste Hof in Haarlem. Sie wurde 1616 von Guertie Jansdochter de Wael, der Tochter eines Tuchhändlers, gegründet. Übrigens ist es schön, auch mal in die Seitenstraßen der Lange Annastraat zu gehen. Die Gassen sind voller Blumen und Pflanzen.

Du gehst weiter zum Botermarkt. Kurz davor liegt das Brouwershofje, das wegen der auffallenden weiß-roten Fensterläden nicht zu übersehen ist. Am Botermarkt selbst ist das Bruiningshofje versteckt. Wo viele andere Wohnhöfe von kinderlosen Reichen gegründet wurden, entstand dieses Hofje eher als ein jahrhundertelanges Familienhobby. Jan Bruining gelang es, an dieser Stelle mehrere Grundstücke zu sammeln. Lange Zeit befand sich das Hofje im Besitz der Nachkommen des Gründers, die sich offenbar sehr darüber gefreut haben, wie man an den vielen Spenden an das Hofje erkennen kann.

Drei Hofjes in einer Straße

Du biegst in die Barrevoetsstraat ein, wo sich das Hofje van Loo (sichtbar durch den Zaun) und das Wijnbergshofje (geöffnet an Tag des offenen Denkmals) befindet.

Wir gehen an dem Zuiderhofje (das nur am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden kann) vorbei zur Witte Herenstraat. In dieser Straße gibt es drei nebeneinander liegende Wohnhöfe. Vom Coomanshofje ist nur noch das Eingangstor erhalten. Der Giebelstein enthält eine Darstellung des heiligen Nikolaus, des Schutzpatrons der Cooman-Gilde, der die Hofje errichten ließ. Gleich daneben befindet sich der beeindruckende Eingang zum Frans Loenenhofje. Der Wohnhof wurde im ehemaligen Obstgarten des Klosters, das hier stand, angelegt. Dieser Obstgarten stammt aus dem Jahr 1414 und war zu jener Zeit berühmt. Als das Hofje gebaut wurde, wurde der alte Obstgarten so weit wie möglich intakt gelassen und in einen Hofgarten umgewandelt. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Garten verändert, aber der Frans Loenen Hofje hat immer noch einen markanten Garten mit Obstbäumen. Ein paar Türen weiter befindet sich das Luthershofje, das ebenfalls auf dem Gelände des ehemaligen Obstgartens errichtet wurde.

Am stattlichen Hofje van Oorschot entlang zurück zum Bahnhof

Dann führt die Route zurück zum Bahnhof. Doch bevor wir zum Ausgangspunkt zurückkehren, kommen wir noch an einem Wohnhof vorbei: Hofje van Oorschot. Man kann es nur durch den Zaun sehen, aber das solltest du unbedingt tun! Wouterus van Oorschot hatte einige Forderungen an das, was mit seinem Geld gemacht wurde. Zum Beispiel musste der Hof an einem hellen und unterhaltsamen Ort errichtet werden, und er hatte sich bereits überlegt, welchen Reim er auf die Fassade setzen wollte. Der Bau vom Hofje klappte nicht ohne. Die Staaten von Holland mussten den vom Spender zur Verfügung gestellten Betrag von 20.000 Gulden verdoppeln. Das Ergebnis ist beeindruckend: Es ist einer der größten und stattlichsten Hofjes in Haarlem.

Zum Schluss gehst du über die Kruisstraat und Kruisweg zurück zum Ausgangspunkt dieser Hofjes-Route.

Die Hofjes in Haarlem besuchen

Die meisten Hofjes in Haarlem können wochentags von 10.00 bis 17.00 Uhr besichtigt werden. Einige kann man auch samstags besuchen – die Informationen dazu findest du immer am Tor. Denke bitte daran, dass in den Häusern Menschen leben. Sie sind es gewohnt, dass Gäste ihre Häuser bewundern und auch mal fotografieren, aber verhalte dich ruhig und gehe nicht zu nah an die Fenster.

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