Floßfahrt mit Zeltübernachtung in Waterland nahe Amsterdam

Mikroabenteuer mit Floßfahrt und Zelt von Experience Waterland

Was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass es eine legale Möglichkeit gibt, in den Niederlanden zu wildcampen? Und zwar auf einem Floß mitten in der Natur! Nach einem entspannten Floßfahrt in der Region Waterland, ganz in der Nähe von Amsterdam, stellst du das Zelt auf, kochst was leckeres und musst dich nur noch hinsetzen und genießen. Wenn man den Sonnenuntergang inmitten der Natur erleben kann, braucht man doch ein Fernseher? Und selbst das einfachste Gericht schmeckt an der frischen Luft besser, während man sich die Hände am selbstgemachten Feuer wärmt. Aus eigener Erfahrung kann ich dir jetzt schon sagen, dass du dich nach 24 Stunden auf dem Floß fühlst, als wärst du ein paar Tage lang auf einem Abenteuer gewesen. Ein Erlebnis, das du nie vergessen wirst!

Mit dem Floß durch die wasserreiche Region Waterland

Nur einen Katzensprung vom quirligen Zentrum Amsterdams entfernt liegt die Region Waterland. Der Name ist Programm: Ein großer Teil dieser Region in Nordholland besteht aus Wasser. Nirgendwo sonst wirst du so viele Kanäle, Seen, Flüsse und Wassergräben finden wie hier.

Erkunden kannst du Waterland deshalb am besten vom Wasser aus. Natürlich kannst du dich dafür in ein Kanu oder Boot setzen, aber wie wäre es mit einem Floß?

Das dachte Apostolis Noutsis vor ein paar Jahren auch. Er baute daraufhin ein Floß mit einem Motor, auf dem er und seine Familie fahren und zelten konnten. Seit letztem Jahr vermietet er das Floß und mittlerweile besteht die Experience Waterland Flotte aus drei Campingflößen.

Apostolis Noustis van Experience Waterland

Mikroabenteuer mit Zeltübernachtung auf dem Floß

Man kann das Floß für einen Vormittag, Nachmittag oder Abend mieten und eine schöne Tour durch Waterland machen. Aber du gerne länger unterwegs bist und gerne noch eine Nacht auf dem Wasser verbringst, kannst du auch auf dem Floß zelten. Das klingt nach einem fantastischen Mikroabenteuer, das ich gerne mal erleben wollte.

An dem Freitag bevor dem ersten sonnigen Wochenende im Februar rief ich deshalb Apostolis an. „Du hast ganz recht, das Wetter wird super. Ich werde das Floß ins Wasser bringen“, sagte er begeistert ins Telefon.

1,5 Tage später standen wir mit unserer Campingausrüstung an der Wasserkante. Apostolis erklärte uns, wie man das Zelt aufbaut. Ein Kinderspiel: Das ausgeklügelte Holzgestell mit der Zeltplane war innerhalb von fünf Minuten aufgebaut. Er gab uns dann noch ein paar Tipps für schöne Stellen entlang des Weges und zeigte uns, wo wir das Floß für die Nacht festmachen konnten. „Viel Spaß und bis morgen“, sagte Apostolis abschließend. Auf geht’s!

Der Ausgangspunkt für die Fahrt mit dem Floß ist in Uitdam. Von dort aus hast du mehrere Möglichkeiten, Waterland zu entdecken. In der Nähe befinden sich zum Beispiel Zuiderwoude und Broek in Waterland, zwei malerische Dörfer, die sicher einen Besuch wert sind. Auch die historische Stadt Monnickendam ist von hier aus gut erreichbar.

Der Platz, an dem man wildcampen darf, liegt auf halber Strecke zwischen Uitdam und Broek in Waterland. Wir entscheiden uns daher, von Uitdam nach Broek in Waterland zu fahren und dann ein kleines Stück zurück zum Platz wo das Zelten erlaubt ist. Am nächsten Tag fuhren wir über Zuiderwoude nach Monnickendam und zurück nach Uitdam. Aber was auch immer du tust, es ist eine wunderbar entspannte Erfahrung. 6 km/h ist ein Tempo, in dem du garantiert entspannt wirst, aber immer noch genug sehen kannst.

Broek in Waterland

Man kann es sich kaum vorstellen, wenn man heute durch Broek in Waterland spaziert, aber einst stand diese Stadt in Konkurrenz zu Amsterdam. Es hatte einen tiefen Hafen mit direktem Zugang zur Zuiderzee, so dass große Seeschiffe hier anlegen konnten. Jetzt wird das langsam murmelnde Wasser im Dorf hauptsächlich von Kanus und Booten genutzt.

Was dir in Broek in Waterland sofort auffällt: die Farben der Häuser. Die meisten Häuser sind grau, auch bekannt als ‚Broekergrijs‘, aber einige haben sanfte Pastelltöne wie Blau und Grün. Verschiedene Reiseberichte aus dem 18. Jahrhundert beschreiben das Dorf als „bunte Vielfarbigkeit“, und neben bunten Farben verwendeten die wohlhabenden Bewohner damals auch Sandsteintöne und Marmorimitationen, um ihren Häusern ein vornehmes Aussehen zu verleihen. Es ist daher wahrscheinlich, dass es viel mehr farbige Häuser gab und dass im 19. Jahrhundert immer mehr graue Häuser hinzukamen, als das Dorf verarmt war und sich die Bewohner nur noch billige graue Grundierung leisten konnten.

Das Floß kann man am ‚Havenrak‘ anlegen, sodass man danach ein bisschen in Broek in Waterland spazieren kann. Am Havenrak befindet sich die Sint-Nicolaaskerk, das Prunkstück des Dorfes. Es stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert und ist wunderschön restauriert worden. Der Boden der reformierten Kirche ist mit den Grabsteinen der wohlhabenden Einwohner von Broek gepflastert, wie dem von Neeltje Pater. Der Multimillionär besaß zwei Handelsschiffe und war einer der größten Aktionäre der Niederländische Ostindien-Kompanie. Im Hafen befindet sich auch eines der schönsten Häuser von Broek: das Swanenburgh Teehuisje. Dieses hölzerne Teehaus wurde von Napoleon Bonaparte im frühen neunzehnten Jahrhundert besucht.

Uitdam

Sobald du in Uitdam ankommst, willst du wahrscheinlich schnell mit dem Floß losfahren. Aber es lohnt sich, dir vor oder nach der Floßfahrt das Dorf anzuschauen. Uitdam ist auf einem Damm gebaut und auf allen Seiten von Wasser umgeben. Obwohl es keine Insel ist, fühlt es sich dadurch dennoch wie eine Insel an. Vor Jahrhunderten verdienten viele Uitdammer ihren Lebensunterhalt, indem sie Handelsschiffe mit ‚Schiffskamelen‘ über die Insel Pampus zum Hafen von Amsterdam schleppten.

Diese Arbeit ist nun Vergangenheit und Uitdam ist ein ruhiges Dorf mit ein paar schönen Holzhäusern und Zugang über das Wasser zum Rest von Waterland.

Monnickendam

Hättest du vor ein paar Jahrhunderten Monnickendam besucht, wäre hier sehr viel los gewesen. Durch die günstige Lage an der Küste der ehemaligen Zuiderzee war die Stadt einst von Fischerei, Schifffahrt und Räuchereien geprägt. Jetzt ist es eine ruhige Stadt, die keine Massen von Touristen anlockt. Zu Unrecht, aber auch sehr angenehm. Und der Hafen, der ist immer noch ein Highlight! Hier liegen viele alte Segelschiffe wie Botter und Tjalks, und Plattbodenschiffe mit ihren typischen Schwertern an den Kanten.

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Monnickendam ist der ‚Speeltoren‘, das älteste Gebäude der Stadt. Es ist der alte Rathausturm mit einem handbetriebenen Glockenspiel aus dem 16. Jahrhundert. Das Gebäude beherbergt ein Museum, das die reiche Geschichte der Region mit der jüngeren Geschichte und dem heutigen Leben verbindet. Wenn du dich auf schöne Musik freust, muss ich dich leider enttäuschen. Die Glocken des Glockenspiels wurden auf authentische Weise gegossen und konnten nicht gestimmt werden. Deshalb wird es auch das „falscheste Glockenspiel in Europa“ genannt.

Monnickendam hat ein schönes Zentrum mit prächtigen Monumentalbauten. Es lohnt sich, hin und wieder einen Blick nach oben zu werfen, denn an manchen Fassaden befindet sich ein besonderer Giebelstein, der etwas über den ehemaligen Zweck des Hauses aussagt.

Zuiderwoude

Zuiderwoude ist das älteste Dorf in Waterland: es ist bereits tausend Jahre alt. Das ist älter als die meisten Dörfer in Holland, und sogar älter als die niederländische Hauptstadt Amsterdam. Am besten legst du hier das Floß an, damit du das Dorf zu Fuß erkunden kannst. Schlendre entlang des alten Deichs, der die Hauptstraße von Zuiderwoude bildet, und bewundre die jahrhundertealten ‚Stolpboerderijen‘.

Tipp: Diese Region nahe Amsterdam lässt sich auch wunderbar mit dem Rad erkunden. Mach eine Radtour durch Waterland und lass dich von den malerischen Orten bezaubern! Lieber im Kanu unterwegs? Majel von Wetlands Safari bietet Kanutouren in Waterland an. Wenn du ganz entspannt durch diese wasserreiche Region paddelst, vergisst du schnell, dass du nur fünfzehn Autominuten von Amsterdam entfernt bist.

Legal wildcampen auf dem Floß in Nordholland

Während die Sonne immer tiefer am Himmel stand, suchten wir die Stelle, an der wir zelten durften. Wir banden das Floß sicher am Steg fest und bauten das Zelt auf. Man zieht das Zelt fest, indem man die beiden Seiten in der Mitte mit Klettverschluss befestigt. Dies hält auch das meiste von der Kälte ab.

Der Himmel färbte sich langsam lila, rosa und orange. Hier und da flog eine Gruppe von Vögeln vorbei. Ihr Zwitschern war das Einzige, was wir hören konnten.

Den spektakulären Sonnenuntergang inmitten von Wiesen und Wasser zu bestaunen, war eines der schönsten Erlebnisse der letzten Zeit. Wir standen da und schauten atemlos zu. Mit den allerletzten Lichtstrahlen des Tages bauten wir schnell noch die Kochausrüstung auf. Während die Nudeln in der Pfanne köchelten, machten wir in dem Korb, den Apostolis uns gab, ein Feuer. Fünfzehn Minuten später saßen wir dick eingepackt – tja, es war erst Februar – mit einer dampfenden Schüssel Pasta neben dem flackernden Feuer.

In dieser klaren Februarnacht war der Mond so hell, dass wir genug Licht hatten, um den Weg zwischen dem Campingfloß und unserer Kochstelle auf dem Festland zu finden. Aber die Tatsache, dass es so hell war, bedeutete auch, dass es schnell abkühlte. Also sind wir früh in unsere Schlafsäcke gekrochen. Wir spielten ein Kartenspiel, von dem keiner von uns die Regeln kannte, plauderten und lauschten den Vögeln. Die Vögel und das leise Rauschen des Wassers waren das Einzige, was wir hören konnten. Es ist etwas ganz Besonderes, mitten in der Natur zu übernachten!

Eine ganz besondere Übernachtung auf dem Wasser

Am nächsten Morgen wachten wir früh auf. ‚Guten Morgen, gut geschlafen?‘, fragte Kerstin zu mir. Ich nahm meine Mütze ab und konnte die Frage bejahen. ‚War dir kalt?‘, fragte ich sie als nächstes. Keinem von uns war kalt gewesen. Wir schliefen mit Pyjamas in einem dicken Schlafsack auf zwei Schlafmatten. Und bei einer Nachttemperatur knapp über dem Gefrierpunkt hätte ich die Mütze nicht vermissen wollen. Ich kann mir aber vorstellen, dass in den wärmeren Monaten eine Isomatte und ein Schlafsack ausreichen.

Und wieder hatten wir Glück: Der Sonnenaufgang war fast so spektakulär wie der Sonnenuntergang des Vortages. Wir kochten Wasser für Tee und setzten uns mit einem Sandwich auf dem Holzsteg, um den bunten Himmel und die aufgehende Sonne zuzusehen. Es war Montagmorgen und nur ein paar Kilometer entfernt arbeitete die Menschen in Amsterdam wahrscheinlich schon fleißig. Es war ein seltsames, aber ganz schönes Gefühl, selber hier in Ruhe frühstücken zu können und danach noch ein Stück auf dem Floß zu fahren.

Wir sind dann durch Zuiderwoude nach Monnickendam gesegelt. Wir machten das Floß fest, machten einen Rundgang durch die Stadt, aßen ein Stück Karottenkuchen auf dem Bürgersteig und fuhren dann zurück nach Uitdam.

Als wir das Floß wieder zwischen die anderen beiden manövrierten, begrüßte uns Apostolis. „Und?“ fragte er. Es war eigentlich sehr schwierig, in Worten zu beschreiben, wie es war. Wir waren voller Begeisterung, voller neuer Eindrücke. Zu sagen, dass es Spaß gemacht hat, würde das Mikroabenteuer nicht richtig beschreiben. Ich glaube, Apostolis hatte das schon öfters erlebt, als Menschen zurück kamen. ‚Lass doch alles stehen und liegen, ich gehe gleich selbst noch eine Nacht mit meiner Familie zelten‘, sagte er und lächelte.

Auf Mikroabenteuer mit Experience Waterland

Wenn du eine Übernachtung auf einem Campingfloß bei Experience Waterland buchst, kannst du zwischen 15:30 und 18:00 Uhr einchecken. Du erhältst eine kurze Einweisung für das motorisierte Floß und einige Tipps, was du unterwegs sehen und tun kannst. Das Zelt befindet sich auf dem Floß und kann abends super einfach selbst aufgebaut werden. Außerdem bekommt man Campingmatratzen, einen 2-Flammen-Gaskocher mit Feuerzeug, einen Kanister mit Trinkwasser, einen Toiletteneimer und einen Müllsack. Den Schlafsack und andere Campingausrüstung musst du selbst mitbringen. Die Karte von Waterland steht auf der Website und kann man eventuell vorab in Google Maps herunterladen. Am nächsten Morgen bringt man das Floß um spätestens 10:30 Uhr zurück.

Der gesamte Prozess von der Buchung bis zum Camping ist sehr einfach, was zum Teil an Apostolis‘ entspannter und freundlicher Einstellung liegt. Eine Nacht auf einem Campingfloß von Experience Waterland beschreibt man am besten als Wildzelten auf eine einfache und sehr lässige Art.

Das Headerbild und die andere Bilder wo ich drauf bin, hat die liebe Kerstin vom Reiseblog Paradise Found gemacht.

FAQ – Mikroabenteuer auf dem Floß in Nordholland

Was sollte ich mitbringen?

In deinem Gepäck solltest du mindestens einen Schlafsack, eine Lampe und Toilettenartikel haben. Wenn du kochen willst, solltest du auch Teller, Besteck, eine Pfanne und Essen mitbringen. Außerdem ist es immer schön, ein Spiel, Badesachen und/oder ein gutes Buch in den Rucksack zu packen.

Was gibt es unterwegs in Waterland zu sehen?

Das Boot führt dich durch ein ruhiges Naturschutzgebiet. Hier leben viele Wiesenvögel und Zugvögel, wie Austernfischer, Rotschenkel und Uferschnepfe. Wenn du Glück hast, kannst du auch Raubvögel wie den Sperber und einen Falken sehen. Mit dem Floß kannst du außerdem zu den malerischen Orten in Waterland fahren, wie Broek in Waterland, Zuiderwoude und Monnickendam.

Kann man den Floß in Nordholland ohne Führerschein mieten?

Ja! Dieses Floß kannst du ohne Führerschein mieten.

Für wie viele Personen ist das Floß geeignet?

Übernachten kann man auf dem Floß mit maximal 4 Personen. Eine Floßfahrt kann man mit 8 Personen machen.

Das möchte ich auch! Wie kann ich buchen?

Auf der Webseite von Experience Waterland.

-Disclaimer: Vielen Dank an Experience Waterland für die Einladung zur Floßfahrt und -übernachtung. Die Begeisterung die du liest, bleibt meine eigene.-

3 Kommentare

  1. Hallo Janna,
    ich hatte dein Abenteuer ja schon auf Instagram verfolgt. Die weiteren Infos hier sind aber wirklich noch einmal spannend und die Floßfahrt stelle ich mir wirklich als tolles Mikroabenteuer vor 🙂
    Ich mag deine neue Seite sehr und werde mich für die nächste Reise in die Niederlange hier sicherlich inspirieren lassen 🙂
    Liebe Grüße
    Corinna

    1. Author

      Liebe Corinna, das freut mich sehr, vielen Dank für die lieben Worte! Das Mikroabenteuer in Waterland war etwas ganz Besonderes und kann ich dir sehr empfehlen. Ich hoffe, dass du bald die Gelegenheit hast, in die Niederlande zu reisen. Liebe Grüße aus dem Nachbarland!


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