Doesburg: Hanse, Senf und Kunst

Doesburg in den Niederlanden

Wenn ich mit dem Fahrrad nach Doesburg reinfahre, spüre ich sofort die schöne Atmosphäre der Stadt. Es ist wochentags, aber trotzdem angenehm belebt im Stadtzentrum. Mit noch einigen Stunden bis zum Sonnenuntergang parke ich schnell mein Fahrrad, um die Stadt zu erkunden.

Stadsbierhuys De Waag: wo Waren gewogen und Bier getrunken wurde

Für Doesburg braucht man keinen Plan. Die Stadt ist überschaubar und die Sehenswürdigkeiten sind alle zu Fuß zu erreichen. Ich beginne meine Tour bei der Waag. Der schöne gemauerte Treppengiebel ziert die ehemalige Stadtwaage. Als Hansestadt fand in Doesburg ein reger Handel statt. Die Händler mussten auf die eingehenden Waren in der Stadt Doesburg Steuern zahlen, die sich nach dem Gewicht richteten.

Im Jahr 1478 wurde De Waag von Doesburg zum Wiegen der eingehenden Waren eingesetzt. Der Pächter von De Waag hatte auch das Monopol, ausländische Biere in der Stadt zu verkaufen. So entstand De Waag als eine Kombination aus Waage und Stadtbierhaus. Arbeiter erhielten einen Teil ihres Lohns in Bier, Kaufleute schlossen hier Verträge ab und Studenten sangen bei einem Krug Bier ihre Trinklieder. Auf diese Weise wurde die Waag zum zentralen Treffpunkt in Doesburg und sie ist damit auch die älteste Kneipe der Niederlande. Hier kann man noch immer ein leckeres Bier und ein gutes Essen genießen. Das werde ich später auf jeden Fall tun, aber erst einmal möchte ich mehr von der Hansestadt sehen.

Doesburger Senf

Ich spaziere durch die Kerkstraat entlang der Grote Kerk. An der Hoekholstraat biege ich rechts ab. In dieser Straße befinden sich viele schöne, historische Gebäude. Eine davon ist die Doesburgsche Mosterd- en Azijnfabriek. Seit Jahrzehnten wird hier Senf hergestellt. Im Jahr 1974 wurde die alte Senffabrik in Doesburg zu einem funktionierenden Museum und einem kleinen handwerklichen Produktionsbetrieb ausgebaut. Zur Sammlung des Museums gehören Mühlen und Füllmaschinen aus alten Zeiten. Und doch hat sich das Verfahren von damals kaum verändert, genau wie die Rezeptur des Doesburger Senfs.

Bei einem kurzen Rundgang durch das Senfmuseum zeigt mir Timon Houwers, wie so eine alte Senfmaschine funktioniert und erklärt: „Im Gegensatz zu dieser alten Maschine verwenden wir in der kleinen Fabrik dahinter eine elektrische. Aber abgesehen davon hat sich nichts geändert. Wir füllen die Gläser sogar von Hand.“ Nettes Detail: Besitzer Timon ist 26 Jahre alt und kaufte die Fabrik, als er gerade sein Studium beendet hatte. „Ich entdecke immer noch regelmäßig etwas Neues im Museum. Ich mag die Kombination aus Produktion und Museum sehr“, sagt er.

Historisch & modern in Doesburg

Nach dem Besuch des Senfmuseums gehe ich aus der Straße hinaus und in Richtung der Gasthuiskerk. Im Mittelalter als Hospital erbaut, ist die umgebaute und renovierte Kirche heute das kulturelle Zentrum von Doesburg. Regelmäßig finden hier Veranstaltungen wie Konzerte, Poesiefestivals und Ausstellungen statt. Durch die Gasthuisstraat gehe ich wieder in Richtung Markt, aber weiter zum Koepoortwal. Hinter der Kirche befinden sich schöne, malerische Gassen. Die kleinen Häuser haben gepflegte Fassaden und kleine Gärten. In der Veerpoorstraat komme ich am Innenhof Van Brakelhofje vorbei. Oberstleutnant jonkheer Willem de Vaynes van Brakell rettete am 23. November 1813 die Stadt Doesburg vor der Plünderung durch die Franzosen. Es ist ein idyllischer Innenhof mit einem schön angelegten Garten.

Am Parkplatz ‚De Bleek‘ am Koepoortwal sehe ich ein besonderes Kunstwerk an einem Stromkasten: Es ist Street Art mit einer modernen Anspielung auf die Hansegeschichte von Doesburg. Genau das ist es, was die Hansestadt so schön macht: Altes und Neues gehen Hand in Hand.

Kunst im öffentlichen Raum in Doesburg

Außer dieser Straßenkunst habe ich in Doesburg viel Kunst im öffentlichen Raum gesehen. In der Innenstadt befinden sich mehrere Bronzeskulpturen, wie die ‚IJsselmeermin‘ und die ‚Oma met kleinkind‘. An der Ecke der Koepoortstraat und der Roggestraat wirst du einen Giebelstein mit dem Bischof Sint Maarten auf einem Pferd sehen. Und für die Poesie-Fans: Schau dir die auf die Fassaden gemalten Gedichte an. Ich denke, es ist mittlerweile klar: In Doesburg kann man sich kaum sattsehen an all den schönen Ecken und Orten.

Ganz entspannt an der Ijssel in Doesburg

Inzwischen steht die Sonne fast am Horizont und lässt die historischen Gebäude von Doesburg in goldenem Licht erstrahlen. Dadurch wirkt die Stadt besonders märchenhaft. Ich gehe zum Fluss IJssel und laufe ein Stück die IJsselkade entlang. Am Rande der historischen Stadt ist das moderne Neubauprojekt des italienischen Architekten Adolfo Natalini zu bewundern. Die Deichwohnungen fügen sich an dieser Stelle nahtlos in die leichte Krümmung der IJssel ein. Am Kai befinden sich Treppen und Bänke, so dass du überall sitzen und die Aussicht auf den Fluss genießen kannst. Das ist genau das, was ich tue. Ich setze mich auf den Kai neben das Kunstwerk mit den drei roten Männern. Auch dieses Kunstwerk mit dem Namen „Passi d’Oro“ (Goldstufen) hat einen Bezug zur Hansegeschichte von Doesburg. Die Männer laufen über eine Europakarte: Mit ihren Schritten verbinden sie die Länder sozusagen miteinander – so wie Doesburg einst ein Teil der internationalen Hanse war. Die Sonne lässt die IJssel wie eine leuchtende Girlande in der grünen Landschaft erscheinen. Der Himmel färbt sich langsam lila und rosa. Es ist ein spektakulärer Anblick!

Tipp: Wenn du weiter an der IJssel entlang gehst, kommst du zum ehemaligen Industriehafen, jetzt der Passantenhafen von Doesburg. Entlang der Uferpromenade gibt es eine besondere Balustrade mit der Hymne von Doesburg und darüber eine Zeitleiste und Skyline eingestanzt.

Den Tag klinge ich mit Doesburger Senfsuppe aus

Ich könnte direkt in mein Hotelbett rollen, aber es gibt natürlich noch eine Sache, die ich tun muss, bevor ich schlafen gehe: den Doesburger Senf probieren. Und so laufe ich zurück ins Zentrum zum Stadsbierhuys De Waag. Dort bestelle ich die Senfsuppe. Hmmm! Es hat einen angenehm würzigen Geschmack. Zusammen mit einem Bier ist dies der perfekte Abschluss eines Besuchs in Doesburg.

FAQ – Reiseinfos für einen Ausflug nach Doesburg

Wo liegt Doesburg?

Doesburg liegt zwischen Arnheim und Zutphen, in der Provinz Gelderland. Die Stadt liegt nur etwa 25 km von der deutsch-niederländischen Grenze entfernt und ist deshalb auch gut als Tagesausflug aus der Grenzregion geeignet.

Welche Sehenswürdigkeiten gibt es in Doesburg?

Bei einem Spaziergang durch die alte Festungsstadt wirst du viele historische Gebäude, mittelalterliche Straßen und schöne Fassaden sehen. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Waag, die Martinikerk und das Van Brakelhofje. Aber auch die IJsselkade entlang des Flusses ist einen Besuch wert.

Wie komme ich nach Doesburg?

Der nächstgelegene Bahnhof ist in Dieren. Dieser Bahnhof ist mit den Linien Arnheim-Zutphen oder Dieren-Apeldoorn eerreichbar. Ab Bahnhof Dieren, Doetinchem oder Arnheim nimmt man Buslinie 26, 27 oder 29 nach Doesburg. Mehr Infos zur Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es auf www.9292.nl. Selber habe ich Doesburg auf einer merhtägigen Radtour besucht – dazu gibt es bald mehr auf dem Blog.

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